Der Name
Siziliens, welches von Homer aufgrund seiner dreieckigen Form
"Trinacria" genannt wurde, hat wahrscheinlich indoeuropäischen
Ursprung, nämlich aus der Wurzel "Sik", ein Begriff, der im
Griechischen dazu dient, schnell wachsende Früchte zu bezeichnen,
deshalb auch die Bedeutung "Fruchtbares Gebiet", eben wie
es immer gewesen ist.
Ein Gebiet, welches sich in Ebenen ausdehnt und in Bergen
und Hochebenen zusammenfügt, mit wenigen Wasserläufen, dafür
jedoch vielen Seen und Becken, reich an Ton, verbrannt durch
Vulkane, reich an Hügeln, Wäldern, Gärten, Weinbergen, Gemüsegärten
und Pinienwäldern.

Eine Abfolge von glatten Stränden und zerklüfteten Felsen
sind offen zugänglich und erleichterten das Anlegen für Sikuler,
Elymer und Sikaner, die die ersten Völker waren, zu denen
die Geschichte Belege aufweist; um das X. Jahrhundert vor
Christus gründeten phönizische Kolonien Mothia, Palermo und
Solunto im westlichsten Teil der Insel, während sich im VIII.
Jahrhundert v. Chr. andere Kolonien aus unterschiedlichen
Gebieten Griechenlands an den Küsten niederließen und Städte
wie Siracusa, Catania, Naxos, Messina, Gela, Agrigent und
Selinunte gründeten.
Die auf Landwirtschaft basierenden Städte, die auch Handelsstätten
waren, waren unabhängig voneinander, wie auch von ihrem Mutterland,
mit welchem sie oft um Macht und Reichtum sowie Unabhängigkeit
kämpften, die letztendlich der Grund für deren Niedergang
waren. Syrakus wurde z.B. die opulentste Kolonie im Westen
und stellte sogar Athen in den Schatten. Der Kontrast zwischen
Syrakus und Messina provozierte den Eingriff Roms, das 274
v. Chr. die Insel eroberte.

Das Land wurde zu Staatseigentum erklärt und den römischen
Rittern zur Verwaltung vermietet, die es von Sklaven aus Asien
bebauen ließen. So entstand das Latifundum: eine intensive
Ausbeutung, die nur den Kornanbau beinhaltete, was zum Abwandern
der Menschen aus der Stadt führte und somit zum entstehen
von kleinen Landwirtschaftszentren. Für Rom wurde Sizilien
nur zu einer internen Kolonie, welche nur einen einzigen Zweck
hatte: Rom große Mengen Korn zu liefern.
Die Eroberung Siziliens durch die Araber, welche 827 begann
und fast ein Jahrhundert andauerte, hatte die Wiedergeburt
der Städte zur Folge. Palermo wurde Hauptstadt der Insel,
umringt von einer bebauten Ebene mit Gemüsegärten und Gärten,
sein Hafen wurde dagegen Handelszentrum für die ganze Welt.
Der Reichtum, welcher dank des Handels und des Anbaus arabischer
Kulturen angesammelt wurde, führte dazu, dass die arabischen
Städte Siziliens gegeneinander kämpften, um die jeweils andere
zu übernehmen.

Aufgrund des Streites zwischen Catania und Agrigent kamen
1060 die Normannen nach Sizilien, wagemutige Ritter mit tiefem
christlichen Glauben; ihre weise Verwaltung wurde von den
unterschiedlichen Völkerstämmen der Insel unterstützt: Römer,
Araber und Griechen erreichten eine wirtschaftliche Blüte,
welche tief greifende Auswirkungen auf die sozialen und wirtschaftlichen
Strukturen hatte.
Mit dem Übergang Siziliens an die Dynastie der Anjou von Frankreich
im Jahre 1266 war Palermo nicht mehr die Hauptstadt: Sitz
der Regierung wurde Neapel und dies bedeutete ein offensichtliches
Symbol der Abwertung, was zu einem Aufstand der Sizilianer
führte, wodurch wiederum eine weitere Herrschaft eingeführt
wurde: die der Aragonier. Die Entfernung Spaniens stärkte
das Feudalsystem; die Barone, welche keinerlei Kontrolle durch
den spanischen Staat hatten, verwandelten die Lehen in viele
kleine Staaten. Ende des 16. Jahrhunderts wurden sich die
Freiherren bewusst, dass die Produktion erhöht werden musste,
um mehr zu verkaufen, weshalb sie neue Landwirtschaftskolonien
wie Vittoria, Baghiera und Menfi gründeten. .

Die Krise des Feudalsystems, welche auch die Krise des Adels
und dessen Wirtschaftssystems darstellt, beginnt, es wird
immer stärker durch die englische Konkurrenz unter Druck gesetzt,
welche sich auf der Insel befindet und findet dann ihr Nachspiel
im Jahre 1812, dem Jahr, in dem sich aufgrund des Zutuns des
britannischen Generals William Bentick das neue Parlament
zusammenfindet, welches eine neue Konstitution verabschiedet
und somit dem Feudalsystem ein Ende bereitet: 1818 wurde die
Rückführung der ehemaligen Lehensgrundstücke vom Staatseigentum
in den freien Handel beschlossen, dennoch sicherte sich das
Lehenswesen unter tausenden von Kompromissen seine Privilegien,
wodurch die Bedingungen für die Landwirte ebenso schlecht
blieben wie zuvor.

Dennoch ist es eine Zeit großen Aufschwungs für den Weinanbau.
Besonders in den Gegenden von Castelvetrano, Marsala, Castellamare
del Golfo, Alcama, Vittoria, Mascali und Syrakus wird guter
Wein erzeugt. In jenen Jahren, genau genommen 1773, entstand
im Weinanbaugebiet Marsala dank dem Engländer John Woodhouse
der gleichnamige Wein.

Ingham gründete 1812 eine zweite Firma in Marsala und Vincenzo
Florio gründet 1833 das namhafte marsaleser Unternehmen. Zum
Zeitpunkt der Vereinigung Italiens, als bereits ein großer
Markt seitens der italienischen Weinindustrie für mischbare
Weinsorten bestand, war der Weinanbau in Sizilien bereits
weit verbreitet. |